Wirkung sichtbar machen – zur Rolle von Evaluation in der Digitalisierung
Viele Digitalisierungs- und Transformationsvorhaben im Gesundheitswesen starten mit klar formulierten Zielen:
• effizientere Prozesse
• bessere Versorgung
• mehr Transparenz
Damit verbunden ist implizit die Erwartung, dass diese Ziele im Alltag auch tatsächlich erreicht werden.
Die naheliegende Frage
Aus dieser Perspektive ergibt sich eine einfache, aber zentrale Frage:
Wie systematisch wird eigentlich überprüft, ob diese Ziele tatsächlich erreicht werden?
Evaluation ist in nahezu allen Vorhaben vorgesehen.
In Konzepten, Förderbedingungen und Projektplänen ist sie fest verankert.
Und dennoch zeigt sich in der Praxis häufig ein anderes Bild.
Zwischen Anspruch und Umsetzung
Die tatsächliche Evaluation bleibt oft fragmentarisch.
Das hat unterschiedliche Gründe:
Zum einen werden Daten nicht immer so erhoben, dass sie eine belastbare Bewertung ermöglichen.
Was gemessen wird, orientiert sich häufig an dem, was verfügbar ist – nicht unbedingt an dem, was für eine Bewertung der Wirkung notwendig wäre.
Zum anderen verändern sich Strukturen im Verlauf von Projekten.
Ziele werden angepasst, Prioritäten verschieben sich, Rahmenbedingungen entwickeln sich weiter.
Damit wird es zunehmend schwieriger, ursprüngliche Erwartungen mit der aktuellen Realität zu vergleichen.
Die strukturelle Herausforderung
Hinzu kommt ein Aspekt, der selten offen angesprochen wird:
Eine konsequente Evaluation würde in vielen Fällen bedeuten,
getroffene Entscheidungen noch einmal zu hinterfragen.
Das betrifft:
• inhaltliche Ausrichtungen
• organisatorische Strukturen
• eingesetzte Lösungen
• getätigte Investitionen
Damit berührt Evaluation nicht nur fachliche Fragen, sondern auch Verantwortlichkeiten und Entscheidungsprozesse.
Mehr als ein methodisches Thema
Vor diesem Hintergrund wird deutlich:
Evaluation ist weniger eine methodische Herausforderung als eine strukturelle.
Sie erfordert:
• Klarheit darüber, was tatsächlich gemessen werden soll
• die Fähigkeit, Daten entsprechend zu erheben
• die Bereitschaft, Ergebnisse auch kritisch einzuordnen
Und nicht zuletzt eine Kultur, in der das Hinterfragen von Entscheidungen möglich ist.
Ein Spannungsfeld
Damit entsteht ein Spannungsfeld:
Zwischen dem Anspruch, Wirkung zu erzielen – und der tatsächlichen Fähigkeit, diese Wirkung sichtbar zu machen.
Dieses Spannungsfeld ist kein Randthema.
Es ist zentral für die Frage, ob Digitalisierung langfristig die erwartete Wirkung entfalten kann.
Ausblick
Die Frage nach der Evaluation ist eng mit anderen Themen verbunden:
• der Komplexität von Systemen
• der Auswahl und Nutzung von Daten
• der Gestaltung von Prozessen und Strukturen
Ich werde diese Zusammenhänge in weiteren Beiträgen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.